Moodle versus mudeln

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„Mudeln“ bedeutet im Burgenland „etwas zerknittern“, etwa ein Kleidungsstück nicht ordentlich in den Schrank legen – „Mudl des Leiwal nit eini!“, kennt wohl so mancher Burgenländer von der Mama.

Ganz anders aber der Auftrag von Herrn Stefan Schmid im Rahmen des Masterstudienganges „Angewandtes Wissensmanagement“ an der FH-Burgenland in der Lehrveranstaltung „e-Learning“: „Erstellen Sie einen Online-Kurs auf der Lernplattform Moodle“. Als Lehrerin im Schuldienst belegte ich vorab einen dreiwöchigen Kurs über die „Virtuelle PH“. Meine Idee war, aus der Perspektive der Kursteilnehmerin einen Moodle-Kurs zu durchlaufen.

Im Rahmen der Lehrveranstaltung hatten wir Studierenden ein moderiertes, kooperatives Onlineseminar zu entwickeln,  die verschiedenen Moodle-Aktivitäten füreinander aufzubereiten und zu reflektieren. Mein Team entschied sich für einen Kurs mit dem Titel „Interaktive Quizz  Tools“.

Mein Team: 4 PädagogInnen
Zielgruppe des Moodlekurses: PädagogInnen – der Primar- und Sekundarstufe I.

Ziel des Kurses

Die TeilnehmerInnen lernen Interaktive Quiz-Tools kennen, nämlich Kahoot und Plickers, sie sollen zwei Quizzes selbst erstellen, in ihrer Praxis ausprobieren und zum kollaborativen Arbeiten bereits fertige Quizzes einsetzen. Dazu stehen eine Woche 0 + 3 Wochen zur Verfügung.
Der Kurs ist als kooperativer Online-Kurs gestaltet, bei dem sich die KursteilnehmerInnen  inhaltlich austauschen oder diskutieren sollen.

Natürlich sollte der Kurs auch „sexy und schlank“, also cool wirken, einen Lernzuwachs bringen und zum Abschluss aller Aktivitäten anregen.

Lernfortschritte

Das Grobkonzept stellten wir bei mehreren Tassen Kaffee auf, wir waren neugierig, wollten so viel wie möglich im Kurs umsetzen. Doch schon nach der Fertigstellung des Grobkonzeptes kam die Ernüchterung:

Kursdauer: 3 Wochen, Workload pro Woche: 5 Stunden – wir hätten unsere Teilnehmer bei weitem überfordert. Dies bestätigte uns auch Herr Schmid. Nun hieß es reduzieren.

Die Struktur unseres Kurses musste nochmals überdacht und neu aufgestellt werden. Jetzt wurde schon klarer, dass bei der Erstellung eines kooperativen Online-Kurses sehr viele Faktoren zu berücksichtigen sind, Videos und Literatur wurden eingearbeitet, ein Kurscafé und ein Forum angelegt und eine Abstimmung eingebaut. Die Konzeption des Kurses im Vorfeld ist essentiell, auch wenn viel Zeit investiert und man Abstriche machen muss. So haben wir ein sehr genaues Feinkonzept erarbeitet und unseren Kurs in Arbeitspakete geteilt. Das laufende Feedback des Teams hat dabei eine große Rolle gespielt.

Neu für mich

war, dass ich immer wieder meine Rolle wechseln kann – einmal als Kursdesignerin, dann als Kursteilnehmerin. Die große Anzahl an Moodle-Aktivitäten zwingt einen dazu, vor Kurserstellung genau die Kursziele zu definieren, weil manche Aktivitäten nicht immer zur Erreichung der gewünschten Lernzielen führen.
Ein durchgängiges Konzept für den Kurs zu erstellen, dabei den Workload nicht aus den Augen zu verlieren und den didaktischen Aufbau der Inhalte sowie das Aufteilen der Quiztools und ihre Bearbeitungsanforderungen auf die drei Wochen war eine Herausforderung. Die Kursteilnehmer sollten einerseits nicht mit Inhalten überfordert werden und andererseits die Möglichkeit haben, bis Kursende alle Lerninhalte durchzuarbeiten, um den Kurs mit viel Lernzuwachs abzuschließen.

Gut geklappt

hat in meinem Team die Zusammenarbeit von vier PädagogInnen. Die Lernziele waren bald formuliert, der didaktische Aufbau der eTivities war rasch klar, und das Bearbeiten des Moodle-Kurses selbst – nun ja, es gab einige Hürden, bei denen uns Moodle.org gute Dienste leistete. Im großen und ganzen finde ich Moodle selbsterklärend.

Weniger geglückt

ist uns das ursprüngliche Grobkonzept, bei dem wir einfach zu viele Aktivitäten anbieten wollten und dadurch der Kurs explodiert wäre. Weniger ist mehr!

Lessons learned

Idee im Kopf, Startschuss gefallen und es geht los – legen wir den Moodle-Kurs an! Stopp!

Meine erste wichtige Erfahrung zur Konzeption eines Moodle-Kurses war, dass ein gut durchdachtes Konzept äußerst wertvoll ist. Das klare Durchdenken eines Grobkonzeptes, Prüfen des tatsächlichen Zeitaufwandes für die Zielpersonen und eine detaillierte Formulierung im Feinkonzept sind eine goldrichtige Investition.

Bisher in der Rolle der Moodle-Konsumentin war mir die Wichtigkeit eines Forums zum Austausch zwischen KursleiterIn und Kursteilnehmer nicht so bewusst. Auch dass es Einstellungsmöglichkeiten gibt, sodass sich entweder nur die TeilnehmerInnen untereinander oder auch mit dem Moodle-Trainer austauschen können. Die Sichtbarkeit muss nicht immer für alle Beteiligten gleich ist.

Einen Moodle-Kurs als KursteilnehmerIn zu durchlaufen heißt bei weitem nicht, zu wissen, was dahinter steckt. Moodle bietet so viele Werkzeuge und technische Möglichkeiten, von denen es in dieser ersten Kurserstellung möglich war, einige kennenzulernen. Obwohl ich mich in das Erstellen des Kurses rasch eingearbeitet hatte, war das Fertigstellen doch sehr zeitaufwändig.

Fazit
Die Vorbereitung und die Konzeption des Kurses sind die wesentlichen Elemente beim Erstellen eines e-Learning-Kurses. Moodle hat mich angesteckt. Ich freue mich richtig, Moodle in unserem Praxisprojekt umzusetzen.

 

Welche Aktivitäten in Moodle gehören zu euren bevorzugten? Welche kennt ihr und würdet ihr nicht empfehlen? Was interessiert euch als nächstes an Moodle?

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Carina sagt:

    Liebe Petra!
    Jetzt habe ich doch glatt ein neues burgenländisches Wort gelernt ;-).
    Spannend auch die unsere Kurserstellung aus deiner Perspektive zu lesen. Wir scheinen ähnliche Probleme, Ideen und Lösungsstrategien bei unserer Arbeit gehabt zu haben.
    Ich freue mich auch schon sehr auf unser gemeinsames Praxisprojekt, auf die Herausforderungen die vor uns liegen und das Neue, das wir lernen können.
    Aber am Liebsten würd ich jetzt gleich weiterMoodlen.
    LG
    Carina

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