Diese Tour lässt Grenzen schwinden

Um den Kopf von Prüfungsstoff, Gesetzestexten und Englischaufgaben frei zu bekommen, hilft bei mir Bewegung an der frischen Luft. Da kommt ein Marsch um den Neusiedler See wie gerufen. In der Einheit von Michael Roither zu medialen Texten im Web entstand die Aufgabe, einen Text für den Blog zu entwerfen: hier mein Ergebnis, bei dem ich versuche, Bewegung und Studium zu verbinden. Viel Vergnügen beim Lesen!

24 Stunden – gefühlte -24 Grad – 120 km

Eine Idee erfasst 2012 etwa 60 Menschen. Zur siebten Auflage der Burgenland Extrem Tour werden im Jänner 2018 mehr als 2800 Menschen an den Start der außergewöhnlichen Veranstaltung gehen. Anmeldung für“ 24h Burgenland extrem“ noch möglich – Goodies bis 14. Dezember 2017! Für Schnellentschlossene und alle die gerne in der Kälte unterwegs sind!

 Mitten im Winter – es ist immer das letzte Wochenende im Jänner –Menschen warm eingepackt in winddichten Jacken, Hosen und wasserfesten Schuhen. Es ist 4.30 Uhr in Oggau, stockfinster, das Gemeindeamt hell erleuchtet. Klirrende Kälte, das Adrenalin ist spürbar. 120 km rund um den Neusiedler See im Burgenland sind zu bewältigen. Jede Teilnehmende und jeder Teilnehmer kann sich für eine von drei Varianten entscheiden:

Der „Original-Trail“ ist die gesamte Strecke von 120 km um den See, von Oggau am Westufer nach Oggau.

Der „Final-Trail“ startet in Apetlon und führt über 60 km ins Ziel nach Oggau, umfasst also die halbe Seerunde.

„224 Meilen Lakemania-Trail“ drei Runden um den See auf Fahrrädern. 224 Meilen – 360 km. Startort und Ziel ist Oggau.

„School of Walk“ für Schulkinder ab 10 Jahren mit ihren Lehrern vom Pannoneum, der Wirtschafts- und Tourismusschule in Neusiedl am See, bis nach Oggau.

Ist die Entscheidung für die Teilnahme gefallen, startet das Abenteuer. Die Vorbereitung beginnt, der passende Schuh muss eingegangen werden. Eis, Matsch, fester oder schlammiger Untergrund, Regen von oben, Nässe von unten – das alles kann einem bei dieser Herausforderung begegnen. Tipps gibt es en masse. Die Erfahrung macht man aber erst, wenn man selbst losgeht.

 

Eine magische Reise

Losgegangen sind vor einigen Jahren drei Männer: Josef Burkhardt, Tobias Monte und Michael Oberhauser. Sie wollten es wissen, aus einer Laune heraus. Ist es möglich an einem Stück um den Neusiedler See zu gehen? Ohne Vorahnung, welche Wellen dieses Projekt schlagen könnte, machten sich die drei von Oggau aus auf den Weg Richtung Süden. Eine mehr als 24stündige Reise mit vielen Überraschungen erwartete sie, Blasen an den Füßen, schmerzende Knie, ein Zwischenstopp im beheizten Foyer der Raiffeisenbank Illmitz und unzählige Erlebnisse. Unersetzlich für eine Freundschaft. Blasen und Schmerzen vergehen, Eindrücke und magische Momente bleiben.

Die 120 km Route führt durch den grenzüberschreitenden Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel und Fertö-Hanság. Hier bewegen sich Ende Jänner all diese Menschen – Wanderer, Extremläufer, Freizeitsportler, Radfahrer, Frauen und Männer unterschiedlichen Alters. Der Weg führt durch die einzigartige UNESCO-Welterberegion, einmal auf österreichischem, dann auf ungarischem Staatsgebiet, ab Apetlon befindet man sich wieder in Österreich. Bei Temperaturen knapp unter null Grad, Sonnenschein, womöglich blitzblauem Himmel und mäßigem Wind ist die Landschaft traumhaft und der See hoffentlich zugefroren. So sieht das perfekte Wanderwetter aus, Eisläufer, Kitesurfer und Spaziergänger sind unterwegs.

Grenzen bestehen im Kopf

Im Jänner kann sich die Abenteuerreise auch in einem komplett anderen Gesicht zeigen.

Winter 2015. Eiseskälte, Regen, Hagel, dann im Bereich des Gebietes ,Hölle´ kurz nach Illmitz: ein Schneegestöber schier ohne Ende. Für viele der Punkt zum Aufhören. Und das ist legitim. Die Tour ist eine Herausforderung, deren Ziel jeder für sich bestimmen kann. Sie wird nicht als Wettbewerb geführt. Keine öffentliche Zeitmessung, die Labestationen stehen 24 Stunden offen – die am Ende der Strecke sogar länger. Mobile Versorgungsteams trifft man auf jedem Wegabschnitt: allzeit bereit, Leute zum nächsten Ort zu chauffieren. Menschen, die ihre eigenen Grenzen erreicht oder überschritten haben. Eine extreme Sportveranstaltung? „Ja, aber “,  Aber… das versteht man viel leichter, wenn man selbst unterwegs ist. Nicht die pure Leistung oder der Sieg sind das Hauptziel, sondern die Teilnahme. Sich zu entscheiden, den ersten Schritt zu setzen, sich anzumelden, den OK-Button zu drücken. Dann folgen die nächsten zehntausend, hunderttausend Schritte. Diese Schritte zu machen, gegen sich selbst zu kämpfen und die eigenen Grenzen zu verschieben – das ist die Schwierigkeit.

Mit Leidenschaft an das Projekt herangehen, psychische und physische Grenzen zu überschreiten führt noch über die Grenzen im Kopf hinaus. Die ältere Generation weiß das noch, die junge Generation darf hier hingewiesen werden: die Teilnehmer marschieren über die grüne Grenze, in Frieden. Der Weg führt zum Teil entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges, 1989, am 27. Juni zerschneiden Österreichs Außenminister Alois Mock und Gyula Horn, sein ungarischer Amtskollege einen Grenzzaun. Sie öffnen damit einen Weg, der Menschen wieder verbindet. Diesen Weg beschreiten, interkulturelle Begegnungen stattfinden lassen, Vorurteile und Ängste überwinden, das ist die Intuition der Burgenland Extrem Tour.

„Und wenn du schon so weit gehst, um dir wieder nahe zu sein, dann tue dies bitte nur für dich. Mach den Weg zu deinem Weg“, raten Michael, Tobias und Josef.

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